Montag, 20. November 2017

Stellenanzeigen verschärfen Fachkräftemangel?

"Wir nehmen nur die beste eierlegende Wollmilchsau", sagen die Firmen und sorgen damit für eine hausgemachte Verschärfung des Fachkräftemangels.

Übertriebene Stellenanzeigen - Bild https://pixabay.com/de/











Die aktuellen Stellenangebote sind häufig ein Wunschkonzert gespickt mit Superlativen – Stichwort: eierlegende Wollmilchsau. Die Anzeigen entsprechen meistens nur zu einem kleinen Teil dem betrieblichen Alltag. Immer wieder werden auch die entscheidenden Fakten nicht im Stellenangebot genannt oder unklar dargestellt. Damit machen die Unternehmen es Bewerbern schwer, sich gezielt auf die Anzeige zu bewerben.


Unrealistische Stellenanzeigen schrecken Bewerber ab

Die Frage ist, ob diese Vorgehensweise tatsächlich zur besten Stellenbesetzung führt. Die Antwort darauf heißt klar: Nein. Unrealistische Stellenanzeigen schrecken potentielle Bewerber ab und sorgen für hausgemachten Fachkräftemangel. Doch das wird sich bald ändern. Wir steuern auf eine Zeit zu, in der gute Bewerber Mangelware sind. Man muss also anders auf potentielle neue Mitarbeiter zu gehen. Da werden die Firmen auch auf Kandidaten zugehen müssen, die in ihren Augen nur zweite oder auch dritte Wahl sind. Denn auch der zweit- oder drittbeste ist ein Gewinn für das Unternehmen.

Leider setzt sich diese Erkenntnis nur sehr langsam in den Köpfen der Entscheider durch. Firmen mit dieser veralteten Einstellung schaden sich auf Dauer damit.

Warum wird in Stellenanzeigen so übertrieben und undeutlich kommuniziert?

Es gibt mehrere Gründe: Einerseits schrecken Firmen Kandidaten bewusst ab, das kommt noch aus den Zeiten des Überflusses an Bewerbern. Andererseits leben wir in einer Ranking-Gesellschaft, bei der wir alle, wie in einer Castingshow den Besten wollen. Ob der „Beste“ dann wirklich auch seine Aufgaben gut erfüllt und mit seinen Kollegen gut auskommt, steht auf einem anderen Blatt.

Ein weiterer Faktor ist der Personaler. Er hat beim Formulieren der Anforderungen gern den Wunschkandidaten vor Augen. Häufig wird nicht eingehend genug mit der Fachabteilung über die benötigten Anforderungen gesprochen. Im ungünstigsten Fall bedeutet es, dass in der Firma keine Klarheit über die ausgeschriebene Stelle herrscht. Das ist im Ergebnis für alle Seiten verheerend.

Wie sieht eine aussagekräftige Stellenanzeige aus?

Eine Stellenanzeige ist gut, wenn bei den Bewerbern ein Bild von seinen zukünftigen Arbeitsplatz entsteht. Bewerber müssen nicht alle Anforderungen, die in der Anzeige aufgeführt sind, zu hundert Prozent erfüllen. Doch sie müssen eine Chance haben ihr Berufsprofil klar zu präsentieren. Das ist für die Unternehmen und die Bewerber von Vorteil.

Mein Appell an Firmen und Kandidaten: Mehr Mut zum Wesentlichen – weg mit den leeren Floskeln hin zu mehr ehrlichen Aussagen.